20.11.2017       Sie befinden sich im Menü Praxis > 40 Praxistipps > 

TIPP 11: Sollen sich die Nutzer Ihres E-Selfservice-Angebotes registrieren müssen?

Das Ansinnen, dass sich die Nutzer eines E-Selfservice-Angebotes dafür registrieren müssen, ist aus Anbietersicht durchaus legitim. Auf der einen Seite lässt sich ein E-Selfservice-Angebot umso besser an den Nutzern ausrichten, je mehr man über diese weiß. Und auf der anderen Seite möchte man vielleicht nicht jedem Interessenten gleich Zugriff auf die eigene "Problemdatenbank" gewähren.

 

Aus Sicht der Nutzer (und das können Sie vermutlich aus eigener Erfahrung bestätigen) ist eine Registrierung erst einmal störend und erscheint überflüssig. Der Nutzer hat ein Problem und möchte dazu schnell eine Lösung finden. Dem steht eine mehr oder weniger aufwändige Registrierung entgegen - unter Umständen verbunden mit Pflichtangaben wie der Kundennummer, die der Nutzer oft nicht parat hat.

 

Wie lassen sich nun diese beiden gegensätzlichen Interessen unter einen Hut bringen? Ganz einfach: Über eine optionale, d.h. freiwillige Registrierung, die allerdings so viele Vorteile bietet, dass sich die Mehrheit der Nutzer gerne registrieren wird.

 

Ein paar Beispiele für Vorteile, die eine Registrierung dem Nutzer bieten kann:

Dies sind nur drei ganz allgemeine Beispiele. Sicher lassen sich für Ihr spezielles E-Selfservice-Angebot weitere Ansätze für Funktionen finden, die Sie (nur) registrierten Nutzern zur Verfügung stellen können!

 

TIPP 12: So setzen Sie eine Registrierung richtig um

Wenn Sie entschieden haben, dass sich die Besucher Ihres E-Selfservice-Angebots registrieren müssen, bedeutet dies, dass für jeden Besuch Ihres Angebots ein Login des Nutzers erforderlich ist. Diesen Vorgang sollten Sie so einfach wie möglich gestalten, um keine Hürde aufzubauen, die den Nutzer zum - für Sie viel teureren - Telefon greifen lässt.

 

Am einfachsten machen Sie es dem Nutzer, wenn Sie ihm anbieten, ein Cookie zu setzen. Dadurch erkennt Ihr Angebot den Nutzer beim nächsten Besuch wieder und er wird automatisch eingeloggt. Überlassen Sie jedoch unbedingt dem Nutzer die Entscheidung über das Setzen des Cookies. Beschreiben Sie nur, welche Vorteile der Cookie bietet und dass Sie die Cookie-Daten keinesfalls an Dritte weitergeben werden, um eventuelle Bedenken zu zerstreuen.

 

Entscheidet sich der Nutzer gegen das Cookie, so wird er bei jedem Besuch nach seinen Zugangsdaten (in der Regel Nutzername und Passwort) gefragt. Browser erlauben es in der Regel, die Zugangsdaten für eine Loginseite dauerhaft zu speichern, so dass sie nicht bei jedem Besuch erneut eingegeben werden müssen. Der Nutzer entscheidet selbst, ob er diese Daten in seinem Browserprofil speichern möchte.

 

Entscheidet sich ein Nutzer gegen das Cookie und gegen das Speichern im Browser, so muss er bei jedem Besuch seine Zugangsdaten neu von Hand eingeben. Nun ist es hoffentlich so, dass der selbe Nutzer Ihr E-Selfservice-Angebot nur gelegentlich benötigt. Wenn zwischen zwei Besuchen eine längere Zeitspanne liegt, sind aber erfahrungsgemäß häufig Nutzername und/oder Passwort in Vergessenheit geraten.

 

Um solch einem Besucher Frust und Ihnen einen teuren Telefonanruf zu ersparen, sollten Sie auf der Loginseite unbedingt anbieten, die Zugangsdaten per E-Mail an die Adresse zu senden, unter der sich der Nutzer registriert hat. Dazu muss er lediglich seine E-Mail-Adresse als Beleg eintragen. Stellen Sie in Ihrem IT-Prozess sicher, dass daraufhin sofort die Zugangsdaten versendet werden und nicht erst mit minutenlanger Verzögerung, was zu noch mehr Frust führen würde.

 

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, senden Sie in der E-Mail nur den Nutzernamen und anstelle des Passworts einen Link, über den sich der Nutzer per Klick direkt in Ihr Angebot einloggen kann. Dort wird er auf eine Seite geleitet, auf der er ein neues Passwort vergeben und dieses in einem zweiten Feld nochmal bestätigen muss. Dieses Verfahren vermeidet den Versand von Passwörtern über den unsicheren E-Mail-Kanal und zählt mittlerweile zu den Best-Practice-Prozessen.

 

TIPP 13: Sollen Nutzer Ihre Selfservice-Inhalte ergänzen und kommentieren dürfen?

Zunehmend mehr E-Selfservice-Angebote wie Online-Tutorials, FAQs, Wikis und natürlich Foren sind interaktiv und erlauben den Nutzern damit das Verfassen von Kommentaren. Diese Kommentare erfolgen in der Regel in Form von ergänzenden Anmerkungen, Anregungen, Verbesserungsvorschlägen, Rückfragen, etc. Dies kann im Extremfall dazu folgen, dass für den Leser die Beiträge der Nutzer noch informativer sind als der ursprüngliche Inhalt - wie es beispielsweise bei der Online-Dokumentation der weltweit populärsten Datenbank MySQL der Fall ist.

 

Oft beziehen sich weitere Beiträge der Nutzer auch auf vorherige Kommentare und Fragen, so dass ein Informationsaustausch der Nutzer untereinander entsteht, der für Sie als Anbieter zwei Vorteile hat: Zum einen wird Ihr eigener Support von Anfragen entlastet und zum anderen können Sie aus den Beiträgen der Nutzer in der Regel wertvolle Informationen gewinnen, wie zum Beispiel

Manchmal kristallisieren sich unter den Nutzern auch einige sehr engagierte, freiwillige Helfer heraus, die geeignet sind, als freiberufliche oder feste Mitarbeiter für Ihren Service&Support zu arbeiten.

 

Bei all diesen Vorteilen stellt sich natürlich die Frage, warum nicht alle E-Selfservice-Angebote interaktiv sind. Der Grund liegt gewöhnlich in der fehlenden oder zumindest schwächeren Kontrolle, die der Anbieter über die Nutzer-generierten Inhalte (in Web-2.0-Sprache "user-generated Content") hat. Denn natürlich werden einige Nutzer den interaktiven Kanal dazu verwenden, um ihren Frust über eines Ihrer Produkte oder eine Dienstleistung abzulassen, andere werden sprachlich unangemessene Beiträge verfassen, und nicht zu vergessen natürlich die Spam-Roboter mit ihren Einträgen für Junk-Aktien, Medikamente, Erotik-Angebote, etc.

 

Sie sind als Betreiber von interaktiven E-Selfservice-Angeboten daher gezwungen, Ihre Angebote technisch vor Spam-Einträgen zu schützen und regelmäßig die Nutzer-Beiträge zu kontrollieren und gegebenenfalls zu löschen (oder zumindest zu kommentieren). Das verursacht natürlich zusätzliche Arbeit. Allerdings sollten die Vorteile der Entlastung Ihres Supports und des Nutzer-Feedbacks diesen Nachteil mehr als aufwiegen.

 

TIPP 14: So reduzieren Sie kritische Kommentare in Ihrem E-Selfservice-Angebot

Erlauben Sie Ihren Kunden, die Einträge in Ihrem E-Selfservice-Angebot zu kommentieren, um Informationen zu ergänzen, Vorschläge zu machen oder Rückfragen zu stellen? Wenn ja, dann erstmal ein Lob von unserer Seite für den Mut dazu, denn so viel Souveränität ist auch in Web-2.0-Zeiten nicht selbstverständlich!

 

Wer diesen Weg noch nicht gegangen ist, mag sich fragen, warum solch ein Schritt mutig ist. Ganz einfach: Weil manche Kunden (und Ex-Kunden) Kommentare verfassen, die unfreundlich, unsachlich oder zumindest unangenehm für das kommentierte Unternehmen sind.

 

Doch wie verhält man sich als Anbieter in solchen Fällen? Eine erste präventive Maßnahme ist, dass sich jeder Nutzer, der einen Kommentar schreiben möchte, zuerst mit einer E-Mail-Adresse, an die der Zugangscode versendet wird, registrieren muss - sofern das E-Selfservice-Angebot nicht ohnehin eine Registrierung erfordert. Die Registrierung sorgt erfahrungsgemäß für weniger Anonymität und damit mehr Sachlichkeit in der Kommunikation und schützt gleichzeitig vor werblichen Einträgen von Spam-Robotern.

 

Eine zweite wichtige Maßnahme ist die prominente Anbindung der Netiquette (siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Netiquette), d.h. eine Webseite, die die Spielregeln für das Verfassen von Kommentaren in Ihrem E-Selfservice-Angebot beschreibt: keine Verleumdungen, keine Beleidigungen, keine Obzönitäten, etc. Diese Netiquette sollten unbedingt um den klaren Hinweis ergänzt werden, dass alle Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, kommentarlos von Ihrem Unternehmen gelöscht werden.

 

Alternativ können Sie solche Beiträge auch um kritische Passagen bereinigen, sofern der Rest inhaltlich wertvoll ist. Dann sollten Sie allerdings im Text auf die Kürzung hinweisen und bedenken, dass dadurch weitere unerwünschte Kommentare provoziert werden können.

 

Auch wenn es mancher Besucher Ihres E-Selfservice-Angebotes mit juristischem Halbwissen anders sehen und schreiben mag: Sie betreiben kein öffentliches basisdemokratisches Diskussionsforum, sondern ein gewerbliches Angebot und Sie haben das alleinige Hausrecht! Ihr Unternehmen ist als Betreiber sogar rechtlich verantwortlich für die Inhalte Dritter - spätestens dann, wenn Sie Kenntnis davon erlangen, weil sich z.B. jemand über einen Kommentar beschwert. Daher müssen Sie frei entscheiden können, welche Nutzerbeiträge gelöscht bzw. gekürzt werden.

 

TIPP 15: So gehen Sie mit kritischen Kommentaren in Ihrem E-Selfservice-Angebot um

Wenn Sie in Ihrem E-Selfservice-Angebot das Kommentieren der Einträge durch die Leser erlauben, werden Sie über kurz oder lang auch Beiträge erhalten, die sich kritisch mit Ihren Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. Die oberste Devise für diesen Fall lautet: Bleiben Sie gelassen und beweisen Sie Fingerspitzengefühl! Natürlich sind solche Kommentare ärgerlich, doch oft liefern sie auch wertvolles Feedback.

 

Generell sollten Sie auf kritische Kommentare sachlich mit einer Erwiderung reagieren, damit der Verfasser sieht, dass er zur Kenntnis genommen wurde: Danken Sie für das Feedback und widerlegen bzw. korrigieren Sie die Aussage, oder bestätigen Sie, dass etwas schief gelaufen ist und beschreiben Sie die Gegenmaßnahmen. Ihre Erwiderung muss wie der Leserkommentar öffentlich sein, denn auf einen aktiven Schreiber kommen erfahrungsgemäß 10 bis 100 passive Leser, für die Ihre Erwiderung ebenfalls interessant ist.

 

Doch wie gehen Sie mit negativen emotionalen oder gar polemischen Kommentaren um, die ab und an leider ebenfalls vorkommen? Generell gibt es vier Möglichkeiten für eine Reaktion:

Zuerst sollten Sie ehrlich überlegen, ob ein Kommentar wirklich unsachlich ist, oder nur unfreundlich oder unangenehm für Ihr Unternehmen. Ist der Beitrag unsachlich und unakzeptabel, wie z.B. frauenfeindliche Bemerkungen zur Autorin eines Eintrags oder rassistische Parolen, weil Ihr Unternehmen Arbeitsplätze nach Asien verlagert, sollten sie ihn kommentarlos löschen. Glücklicherweise kommen solche Beiträge jedoch nur extrem selten vor.

 

Ist der kritische Kommentar dagegen unsachlich, aber inhaltlich noch akzeptabel, sollten Sie mit einer sachlichen Erwiderung reagieren. Wenn sich ein Verfasser im Ton vergreift, so fällt dies auch den anderen Lesern unangenehm auf. Stellen Sie sich totzdem der Kritik, so verschafft dies Ihnen Respekt. Ist Ihre Reaktion dann auch noch souverän und können Sie den Verfasser des Kommentars sogar korrigieren oder widerlegen (bitte aber nicht bloßstellen!), so sammeln Sie bei den Mitlesern weitere Pluspunkte und tragen aktiv zum positiven Ansehen Ihres Unternehmens bei.

 

Abschließend möchten wir Sie noch vor dem Phänomen der sogenannten "Trolle" warnen. Trolle sind Zeitgenossen, die nichts besseres zu tun haben, als mit Ihren negativen Kommentaren zu provozieren. Sobald Sie auf einen Troll mit einem Beitrag reagieren, wird der Troll wieder einen bösen Kommentar schreiben. Das einzige was hier hilft, ist das konsequente Löschen oder zumindest Ignorieren der Kommentare von Trollen. Auf neu-deutsch heißt dies auch "don't feed the trolls".

 

TIPP 16: Machen Sie Ihr E-Selfservice-Angebot bekannter

Manche Unternehmen betreiben bereits ein hervorragendes E-Selfservice-Angebot, vermarkten dieses jedoch nicht offensiv an ihre Kunden. Dies führt dazu, dass Callcenter und E-Mail-Hotline nicht in dem Maße von Support-Anfragen entlastet werden, das eigentlich möglich wäre. Oft ist der Grund dafür ganz simpel: Das E-Selfservice-Angebot wird von einer Fachabteilung wie "E-Commerce" oder "Internet-Business" betrieben, während Callcenter von einer ganz anderen Fachabteilung wie "Customer Care" oder "Service & Support" verantwortet werden.

 

Für die Vermarktung Ihres E-Selfservice-Angebotes ist keine teure Anzeigenkampagne nötig, weil Sie bereits über eigene Kanäle zu Ihren Kunden verfügen. Die wichtigste Maßnahme ist natürlich, dass das Thema E-Selfservice auf der Homepage Ihrer Website prominent angebunden ist, beispielsweise als eigener Menüpunkt "Service&Support", weil Internet-affine Zielgruppen bei Problemen als ersten Anlaufpunkt Ihre Website nutzen werden. Zur Sicherheit sollte auch auf der Kontaktseite Ihrer Website nochmals auf das E-Selfservice-Angebot verwiesen werden.

 

Die nächste Maßnahme ist der Verweis auf das E-Selfservice-Angebot bei allen telefonischen und E-Mail-Anfragen. Beispielsweise kann in der Warteschleife des Callcenters ein Hinweis auf die Adresse der Selfservice-Website erfolgen, und alle ausgehenden E-Mails sollten in ihrer Signatur ebenfalls einen solchen Hinweis enthalten. Darüber hinaus bieten sich natürlich plakative Verweise auf Ihr E-Selfservice-Angebot in allen Bedienungsanleitungen und Handbüchern zu Ihren Produkten an.

 

Doch verweisen Sie nicht einfach nur auf Ihr E-Selfservice-Angebot, sondern stellen Sie auch dar, welche Vorteile der Kunde durch die Nutzung des Angebotes hat: beispielsweise dessen Verfügbarkeit rund um die Uhr, ausführliche PDF-Anleitungen zum Download, interaktive Diagnose-Dialoge, etc.

 

Übrigens: Statt einer E-Mail-Adresse für Support-Anfragen sollten Sie besser ein Webformular verwenden. Dies hat den Vorteil, dass Sie den Text der Anfrage nach Schlüsselwörtern durchsuchen und sofort eventuell passende Antworten aus Ihrer FAQ-Datenbank anzeigen können, so dass sich die Anfrage in vielen Fällen damit erledigt haben wird. Die meisten FAQ-Systeme bieten mittlerweile solch ein Feature (genannt "Instant Response") an.

 

TIPP 17: So setzen Sie eine Suchfunktion richtig um

Eine gute Suchfunktion ist die Basis jedes professionellen E-Selfservice-Angebotes, denn die Mehrheit der Nutzer zieht bei der Suche nach der Antwort zu ihrem Problem die (schnelle) Suche mit Stichworten dem (umständlichen) Suchen in der Navigations- und Menüstruktur einer Website vor.

 

Mit guter Suchfunktion ist in diesem Fall nicht "schnelle Suche" oder "umfangreiche Funktionalität" gemeint, sondern vor allem eine hohe Bedienungsfreundlichkeit. Das heißt, dass Sie vom Nutzer nicht die Kenntnis von boolescher Algebra oder regulären Ausdrücke verlangen sollten, sondern ihm beispielsweise die Wahl zwischen "alle Begriffe im Suchergebnis" und "mindestens ein Begriff im Suchergebnis" anbieten.

 

Bei keinem oder nur sehr wenigen Treffern sollte im Hintergrund ein Thesaurus starten, der den oder die Suchbegriffe durch Synonyme ersetzt und eine erneute Suche startet, um mehr Treffer zu erzielen. (Sie erinnern sich vielleicht noch an das Beispiel "Virenscanner" und "Antivirusprogramm" aus Tipp 1.)

 

Ihre Suchfunktion sollte die Ergebnisse nach Treffergenauigkeit sortieren. Schön wäre es auch, wenn die Suchfunktion fehlertolerant arbeitet und die häufigsten Tipp- und Schreibfehler verzeiht. Im Idealfall kann die Suchfunktion sogar natürlich-sprachliche Eingaben (d.h. ausformulierte Fragen) verarbeiten und auf dieser Basis sinnvolle Suchergebnisse produzieren.

 

Für Fortgeschrittene kann es natürlich eine Experten-Option geben, die auch logische Verknüpfungen und diverse Platzhaltervarianten erlaubt.

 

Einen Lerneffekt können Sie für Ihre Suchfunktion erzielen, indem Sie die Nutzer - beispielsweise über eine Radio-Button-Skala - bewerten lassen, wie gut der Suchtreffer, den sie ausgewählt haben, zu ihrer Suche passt. Auf diese Weise können Sie eine Scoring-Tabelle aufbauen, die angibt, wie gut ein Text in Ihrem E-Selfservice-Angebot mit einem bestimmten Suchbegriff korreliert.

 

TIPP 18: Überwachen Sie die Erreichbarkeit Ihrer E-Selfservice-Website

Ein E-Selfservice-Angebot hat für Ihre Kunden den Vorteil, dass es immer verfügbar ist - auch dann, wenn Callcenter und E-Mail-Hotline nicht erreichbar sind. Doch wie stellen Sie sicher, dass Ihre Selfservice-Website tatsächlich rund um die Uhr erreichbar ist? Vermutlich wollen Sie nicht selbst nachts und am Wochenende ständig ausprobieren, ob sich die Webseiten Ihres Angebots noch aufrufen lassen. Das müssen Sie auch nicht, denn dazu gibt es schließlich Computer!

 

Sprechen Sie dazu mit Ihrer IT-Abteilung und bitten Sie die Kollegen, ein kleines Überwachungs-Skript zu schreiben, das verschiedene Webseiten Ihres E-Selfservice-Angebotes aufruft. Wenn bei einem Aufruf statt der gewünschten Seite nur eine Fehlermeldung erfolgt (weil die Webseite nicht erreichbar ist), soll das Skript eine Alarm-Mail oder -SMS an den Administrator senden, der für die technische Betreuung der Hardware, auf der Ihr E-Selfservice-Angebot läuft, zuständig ist. Auf diese Weise ist er/sie bei einem Ausfall sofort informiert und kann entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

 

Solch ein Überwachungs-Skript lässt sich so einrichten, dass es beispielsweise alle 5 Minuten automatisch ausgeführt wird. In diesem Fall werden die von Ihnen ausgewählten Webseiten alle 5 Minuten auf Ihre Erreichbarkeit hin überprüft. Dadurch ist sichergestellt, dass bei einem Ausfall nach spätestens 5 Minuten eine Alarmierung der Technik erfolgt.

 

Idealerweise läuft das Überwachungs-Skript nicht auf dem gleichen Server, auf dem das zu überwachende E-Selfservice-Angebot betrieben wird, denn sonst könnten bei einem kompletten Ausfall des Servers auch keine Alarmmeldungen mehr versendet werden.

 

Wer es noch komfortabler haben und seine IT-Kollegen etwas beeindrucken möchte, kann vorschlagen, dass diese nicht selbst ein Skript schreiben, sondern das bewährte (und kostenfrei verfügbare) Überwachungsprogramm Nagios (www.nagios.org) verwenden. Nagios leistet weitaus mehr als jedes selbstgeschriebene Skript und kann beispielsweise auch gezielt einzelne Dienste überprüfen oder Messwerte wie Anzahl der Zugriffe und übertragenes Datenvolumen für frei definierbare Zeiträume grafisch darstellen.

 

TIPP 19: Bauen Sie Ihr E-Selfservice-Angebot Zug um Zug aus

Wenn Sie auf Ihrer Website E-Selfservices implementieren möchten, starten Sie nicht gleich mit einer proprietären Portal-Lösung für sechsstellige Euro-Beträge, die über drei Monate hinweg spezifiziert und weitere sechs Monate lang implementiert werden muss. Bedienen Sie sich stattdessen aus dem reichhaltigen Fundus an professioneller Open-Source-Software und erweitern Sie Ihr E-Selfservice-Angebot Modul um Modul.

 

Starten Sie beispielsweise mit einer Bibliothek der häufigsten Fragen und Antworten ("FAQ"), erweitern Sie das Angebot dann um ein Download-Center, ergänzen Sie später eine benutzerfreundliche Suchmaschine und führen Sie schließlich ein komfortables Dialog-Modul ein, das den Nutzer durch gezielte Fragen zur gewünschten Antwort führt ("Guided Q&A").

 

Unsere E-Selfservice-Marktforschung hat gezeigt, dass 86% der Befragten ihren Interessenten und Kunden bereits Selfservice-Angebote im Internet anbieten. Doch nur 24% dieser Unternehmen verwenden für ihre Selfservice-Angebote eine proprietäre Portal- bzw. Komplettlösung eines Softwareanbieters. 29% nutzen eine Entwicklung ihres Dienstleisters und die große Mehrheit betreibt eine interne Eigenentwicklung, die sukzessive ausgebaut wird - eine ideale Ausgangssituation für die Nutzung von Open Source!

 

Unsere Marktforschung hat auch gezeigt, welche E-Selfservice-Angebote bereits betrieben und welche geplant sind. Die drei beliebtesten eingesetzten Formate sind FAQ-Bibliotheken, Web-Formularsysteme und Download-Center und zu den beliebtesten geplanten Formaten zählen Guided Q&As, Weblogs (Blogs) und Wikis.

 

TIPP 20: E-Selfservice-Angebote erfolgreich integrieren

In der Open-Source-Welt gibt es mittlerweile für fast jeden Teilaspekt von E-Selfservice die passende Software. Doch wenn Sie bei der Auswahl der Programme nicht aufpassen, kann es Ihnen schnell passieren, dass Sie für Ihr E-Selfservice-Portal plötzlich ein Sammelsurium an Modulen und Komponenten betreiben, die zwar jedes für sich sehr leistungsfähig sind, aber nur schlecht oder gar nicht zusammenarbeiten.

 

Die optische Integration verschiedener Software-Module lässt sich relativ einfach umsetzen. Gute Open-Source-Software arbeitet bei der Darstellung der Benutzeroberfläche (das Frontend) mit HTML-Schablonen (Templates), die sich ohne großen Aufwand umschreiben und neu formatieren lassen. Layout und Gestaltung werden in der Regel über eine zentrale CSS-Designdatei geregelt.

 

Die Backend-Integration, d.h. die Integration der Komponenten auf Datenbankebene, ist dagegen nicht ganz so trivial. Dieses Thema ist für Sie als Betreuer oder Betreiber des E-Selfservice-Portals aber sehr wichtig, damit Sie Inhalte nicht mehrfach an verschiedenen Stellen eingeben, aktualisieren oder löschen müssen.

 

Achten Sie bei der Auswahl der Software für Ihr E-Selfservice-Portal darauf,

  1. dass alle Komponenten das gleiche Datenbanksystem nutzen, um den Austausch bzw. Abgleich von Inhalten zwischen den einzelnen Datenbanken zu erleichtern

  2. dass die von Ihnen ausgewählten Software-Komponenten über gut dokumentierte Schnittstellen für den Datenaustausch verfügen oder zumindest eine Dokumentation des Datenbankschemas (Tabellen, Felder und Relationen) bieten

  3. dass die Daten nicht proprietär komprimiert oder anderweitig verschlüsselt in der Datenbank gespeichert werden

Neuerdings gibt es in der Open-Source-Welt auch Integrationstools, die das manuelle Programmieren von Skripts zum automatisierten Datenaustausch und -abgleich überflüssig machen. Nutzen Sie diese Tools, um Zeit zu sparen, oder nutzen Sie einen Dienstleister, der diese Tools verwendet, um Geld zu sparen.

 


Die Tipps 21 bis 30 lesen Sie hier.

 

Wenn Sie künftig regelmäßig solch einen Praxisipp per E-Mail erhalten möchten, dann können Sie unseren Newsletter hier kostenlos bestellen.